Rezension
Das kleine Hotel am Getreidemarkt
von Gerda Stauner
Produktbeschreibung:
Herausgeber : Gmeiner-Verlag
Erscheinungstermin : 11. März 2026
Sprache : Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 320 Seiten
ISBN-10 : 3839280869
ISBN-13 :
978-3839280867
Kurzinformation:
In ihrem charmanten Hotel am Getreidemarkt hat Marille einen
wohligen Zufluchtsort für Menschen auf der Suche nach Geborgenheit erschaffen,
der sowohl Reisende als auch Kreative magisch anzieht. Sie geht ganz in ihrer
Rolle als Hotelbesitzerin auf und merkt dabei nicht, dass ihr bester Freund
Ferdinand sich mehr und mehr zu ihr hingezogen fühlt. Als ein junger Mann aus
Afghanistan auftaucht und Marille ihm Hilfe anbietet, gerät ihre kleine
geschützte Welt ins Wanken. Und dann ist da noch Astrid vom Reisebüro nebenan,
die verzweifelt Anschluss sucht. Als deren Bruder plötzlich auf der Matte
steht, müssen sich alle entscheiden: Ist Freundschaft stärker als Hass?
Autoreninformation:
Gerda Stauner führte jahrelang ein kleines Hotel in
Regensburg. Dort übernachteten unter anderem Künstler wie Die Fantastischen
Vier. Im Reiseführer Lonely Planet wurde das Hotel als Geheimtipp erwähnt. In
ihrem Roman erschafft sie nun eine kleine, mitunter magische Welt, in der
Menschen mit unterschiedlichsten Charakteren und Wertvorstellungen für kurze
Zeit zueinanderfinden. Dabei zeigt sie, dass das Gute im Menschen auch in
schwierigen Situationen siegen kann. Die Autorin schreibt Romane, Hörspiele und
Theaterstücke und hostet einen Podcast. Gerda Stauner erhielt für ihr
literarisches Schaffen bereits verschiedene Preise und Stipendien und war für
ihre Arbeit in der Leseförderung für den Deutschen Engagementpreis nominiert.
Fazit:
Das kleine Hotel am Getreidemarkt entführt den Leser in
einen Ort der Wärme, Geborgenheit und SanftenTempo, den Marille mit viel
Leidenschaft und Herzblut erschaffen hat. Ihr Hotel wirkt wie eine einladende
Zuflucht für Reisende, Kreative und alle, die Nähe, Verständnis und eine warme
Atmosphäre suchen. Marille glänzt in ihrer Rolle als Gastgeberin: Sie nimmt
sich Zeit für jeden Gast, schaut hinter die höfliche Fassade, spürt Bedürfnisse
und schenkt eine wohlige Ruhe, in der man einfach innehalten, durchatmen und
auftanken kann. Die Beschreibungen der Räume, des Lichts, der kleinen Details –
ein Duft von Orangenblüten, eine Decke am Abend, ein frisch gebrühter Kaffee –
tragen dazu bei, dass man sich sofort heimisch fühlt.
Gleichzeitig ziehen sanfte Spannungen durch den Erzählfluss:
Aus reinster Freundschaft wird ein unausgesprochenes Verlangen, als Marilles
engster Freund Ferdinand Gefühle entwickelt. Die Geschichte balanciert dieses
Thema behutsam, ohne in plumpe Konflikte oder lästige Klischees abzugleiten.
Sie bleibt an der Menschlichkeit und an den komplexen Schlingen der Beziehungen
orientiert: Nähe, Vertrauen, Rücksichtnahme – und dennoch das Risiko, dass
unausgesprochene Erwartungen zu Missverständnissen führen können. Die
Charaktere handeln glaubwürdig und vielschichtig, sodass ihre Entwicklung
organisch wirkt und nicht konstruiert erscheint.
Besonders eindrucksvoll ist die Art und Weise, wie der Roman
soziale Themen integiert, ohne Missionierungs- oder Bekämpfungsdrama zu
bedienen. Als ein junger Mann aus Afghanistan Hilfe sucht, wird Marilles
sicherer Mikrokosmos behutsam in Frage gestellt. Die Begegnung wird zu einem
Spiegel, der Vorurteile, Ängste und Offenheit zugleich sichtbar macht. Die
Reaktion der anderen Figuren – von Verständigung über Zurückhaltung bis hin zu
aktivem Engagement – wird einfühlsam beschrieben, sodass der Text nachdenklich
stimmt, ohne belehrend zu wirken. Auch Astrid vom Reisebüro nebenan sucht
Anschluss und Zugehörigkeit, was die Geschichte breiter und inclusiver
erscheinen lässt.
Thematisch steht die Frage im Mittelpunkt, ob Freundschaft
stärker ist als Vorurteile. Diese Pulsader des Romans wird mit Wärme,
Feingefühl und ohne erhobenen Zeigefinger erkundet. Die Erzählperspektive
bleibt nah bei den Protagonistinnen und Protagonisten, wodurch man ihre inneren
Konflikte, Sehnsüchte und Momente der Verwundbarkeit unmittelbar nachvollziehen
kann. Die Balance zwischen persönlicher Intimität und kollektiver Wärme der
Hotelwelt gelingt der Autorin meisterhaft: Man fühlt sich mitgenommen, verstanden
und zugleich angeregt, die Perspektiven zu wechseln und die Welt des
Getreidemarkts mit neuen Augen zu sehen.
Der Ton des Romans ist einladend, friedvoll und beruhigend.
Er lässt den Leserinnen und Lesern Raum, in ruhigen Momenten zu verweilen, die
hundert kleinen Details zu genießen und dabei die Zeit zu vergessen. Die
Charaktere bleiben trotz der ernsthaften Themen nahbar und menschlich, wodurch
das Lesetempo nicht ins Stocken gerät, sondern sich organisch entwickelt. Es
ist ein Wohlfühlroman, der den Leser sanft zum Nachdenken anregt, ohne die
Leichtigkeit des Seins zu verlieren, und der am Ende mit einem stillen,
befriedigenden Moment abschließt, der sowohl Zufriedenheit als auch ein neues
Verständnis für Nähe und Toleranz hinterlässt.
4****Sterne

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