Samstag, 4. April 2026

 

 

Rezension

 

 

 

Das kleine Hotel am Getreidemarkt                            

von Gerda Stauner

 

 

 

Produktbeschreibung:

Herausgeber ‏: ‎ Gmeiner-Verlag

Erscheinungstermin ‏: ‎ 11. März 2026

Sprache ‏: ‎ Deutsch

Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏: ‎ 320 Seiten

ISBN-10 ‏: ‎ 3839280869

ISBN-13  : ‎ 978-3839280867

 

Kurzinformation:

In ihrem charmanten Hotel am Getreidemarkt hat Marille einen wohligen Zufluchtsort für Menschen auf der Suche nach Geborgenheit erschaffen, der sowohl Reisende als auch Kreative magisch anzieht. Sie geht ganz in ihrer Rolle als Hotelbesitzerin auf und merkt dabei nicht, dass ihr bester Freund Ferdinand sich mehr und mehr zu ihr hingezogen fühlt. Als ein junger Mann aus Afghanistan auftaucht und Marille ihm Hilfe anbietet, gerät ihre kleine geschützte Welt ins Wanken. Und dann ist da noch Astrid vom Reisebüro nebenan, die verzweifelt Anschluss sucht. Als deren Bruder plötzlich auf der Matte steht, müssen sich alle entscheiden: Ist Freundschaft stärker als Hass?


Autoreninformation:

Gerda Stauner führte jahrelang ein kleines Hotel in Regensburg. Dort übernachteten unter anderem Künstler wie Die Fantastischen Vier. Im Reiseführer Lonely Planet wurde das Hotel als Geheimtipp erwähnt. In ihrem Roman erschafft sie nun eine kleine, mitunter magische Welt, in der Menschen mit unterschiedlichsten Charakteren und Wertvorstellungen für kurze Zeit zueinanderfinden. Dabei zeigt sie, dass das Gute im Menschen auch in schwierigen Situationen siegen kann. Die Autorin schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke und hostet einen Podcast. Gerda Stauner erhielt für ihr literarisches Schaffen bereits verschiedene Preise und Stipendien und war für ihre Arbeit in der Leseförderung für den Deutschen Engagementpreis nominiert.


Fazit:

Das kleine Hotel am Getreidemarkt entführt den Leser in einen Ort der Wärme, Geborgenheit und SanftenTempo, den Marille mit viel Leidenschaft und Herzblut erschaffen hat. Ihr Hotel wirkt wie eine einladende Zuflucht für Reisende, Kreative und alle, die Nähe, Verständnis und eine warme Atmosphäre suchen. Marille glänzt in ihrer Rolle als Gastgeberin: Sie nimmt sich Zeit für jeden Gast, schaut hinter die höfliche Fassade, spürt Bedürfnisse und schenkt eine wohlige Ruhe, in der man einfach innehalten, durchatmen und auftanken kann. Die Beschreibungen der Räume, des Lichts, der kleinen Details – ein Duft von Orangenblüten, eine Decke am Abend, ein frisch gebrühter Kaffee – tragen dazu bei, dass man sich sofort heimisch fühlt.

Gleichzeitig ziehen sanfte Spannungen durch den Erzählfluss: Aus reinster Freundschaft wird ein unausgesprochenes Verlangen, als Marilles engster Freund Ferdinand Gefühle entwickelt. Die Geschichte balanciert dieses Thema behutsam, ohne in plumpe Konflikte oder lästige Klischees abzugleiten. Sie bleibt an der Menschlichkeit und an den komplexen Schlingen der Beziehungen orientiert: Nähe, Vertrauen, Rücksichtnahme – und dennoch das Risiko, dass unausgesprochene Erwartungen zu Missverständnissen führen können. Die Charaktere handeln glaubwürdig und vielschichtig, sodass ihre Entwicklung organisch wirkt und nicht konstruiert erscheint.

Besonders eindrucksvoll ist die Art und Weise, wie der Roman soziale Themen integiert, ohne Missionierungs- oder Bekämpfungsdrama zu bedienen. Als ein junger Mann aus Afghanistan Hilfe sucht, wird Marilles sicherer Mikrokosmos behutsam in Frage gestellt. Die Begegnung wird zu einem Spiegel, der Vorurteile, Ängste und Offenheit zugleich sichtbar macht. Die Reaktion der anderen Figuren – von Verständigung über Zurückhaltung bis hin zu aktivem Engagement – wird einfühlsam beschrieben, sodass der Text nachdenklich stimmt, ohne belehrend zu wirken. Auch Astrid vom Reisebüro nebenan sucht Anschluss und Zugehörigkeit, was die Geschichte breiter und inclusiver erscheinen lässt.

Thematisch steht die Frage im Mittelpunkt, ob Freundschaft stärker ist als Vorurteile. Diese Pulsader des Romans wird mit Wärme, Feingefühl und ohne erhobenen Zeigefinger erkundet. Die Erzählperspektive bleibt nah bei den Protagonistinnen und Protagonisten, wodurch man ihre inneren Konflikte, Sehnsüchte und Momente der Verwundbarkeit unmittelbar nachvollziehen kann. Die Balance zwischen persönlicher Intimität und kollektiver Wärme der Hotelwelt gelingt der Autorin meisterhaft: Man fühlt sich mitgenommen, verstanden und zugleich angeregt, die Perspektiven zu wechseln und die Welt des Getreidemarkts mit neuen Augen zu sehen.

Der Ton des Romans ist einladend, friedvoll und beruhigend. Er lässt den Leserinnen und Lesern Raum, in ruhigen Momenten zu verweilen, die hundert kleinen Details zu genießen und dabei die Zeit zu vergessen. Die Charaktere bleiben trotz der ernsthaften Themen nahbar und menschlich, wodurch das Lesetempo nicht ins Stocken gerät, sondern sich organisch entwickelt. Es ist ein Wohlfühlroman, der den Leser sanft zum Nachdenken anregt, ohne die Leichtigkeit des Seins zu verlieren, und der am Ende mit einem stillen, befriedigenden Moment abschließt, der sowohl Zufriedenheit als auch ein neues Verständnis für Nähe und Toleranz hinterlässt.

 

 

4****Sterne

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