Rezension
von Johanna von Wild
Produktbeschreibung:
Herausgeber : Gmeiner-Verlag
Erscheinungstermin : 11. März 2026
Auflage : 1. Auflage 2026
Sprache : Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 432 Seiten
ISBN-10 : 3839280540
ISBN-13 : 978-3839280546
Kurzinformation:
Sibylla von Anhalt wächst Mitte des 16. Jahrhunderts
unbeschwert auf Schloss Dessau auf, teilt das Interesse ihrer Stiefmutter an
Heilkräutern und heiratet Friedrich von Mömpelgard. Für beide ist es eine
Liebesheirat und die Familie wächst schnell. Doch bald trübt sich das Glück.
Als Friedrich Herzog von Württemberg wird, kommt es nicht nur zwischen den
Eheleuten, sondern auch mit den Landständen zu Spannungen. Sibyllas einzige
Lichtblicke sind die Arzneikammer und die heimlich erblühende Liebe zum Arzt
von St. Catharina.
Autoreninformation:
Johanna von Wild alias Biggi Rist, geboren 1964 in
Reutlingen, arbeitete als technische Assistentin in der medizinischen
Labordiagnostik, sowie in der Forschung. Zwei Jahre verbrachte sie in
Melbourne/Australien, bevor sie mit ihrem Mann nach Niedersachsen zog und 2012
ihren ersten Kriminalroman veröffentlichte. 2019 wechselte sie zum Genre des
historischen Romans, bereits zwei Bücher wurden für den Goldenen Homerpreis
nominiert. Ihre Freizeit und ihren Urlaub verbringt sie am liebsten in der
Natur und an interessanten Orten, immer auf der Suche nach Neuem, um mit
spannenden Geschichten längst vergangene Zeiten wieder lebendig werden zu
lassen.
Fazit:
Der Roman entführt in das Schicksal der Herzogin Sibylla von
Württemberg und schildert ihr Leben am gewaltigen Spannungsbogen zwischen
Hofglanz, familiärem Druck und persönlicher Sehnsucht. Wie eine zarte Pflanze
in einem streng geführten Garten wächst Sibylla mitten im 16. Jahrhundert auf
Schloss Dessau heran, teilt früh das Interesse ihrer Stiefmutter an
Heilkräutern und findet in ihrer Liebesheirat mit Friedrich von Mömpelgard
einen funkelnden, aber kurzen Hoffnungsfunken. Von Anfang an zeichnet der Text
ein Bild von Wärme und Nähe, doch bald kündigen sich Schatten an: Friedrichs
Rolle als Ehemann wird von Eifersucht, Machtstreben und der Verachtung
gegenüber Sibyllas Autonomie geprägt. Die Ehe bleibt von Untreue und Kontrolle
gezeichnet, während Sibylla dennoch eine Quelle innerer Stärke findet – in der
Pflege der Heilkräuter, in ihrer Apotheke und in der stillen Nähe zu Dr.
Greiner, die, so schmerzhaft unausgelebte, doch als Hoffnungsschimmer durch den
Roman zieht.
Die Autorin arbeitet die Figuren sorgfältig heraus: Sibylla
wirkt trotz der schwierigen Umstände als warmer, dienstbarer Mensch, der sich
nicht nur um das Wohl anderer, sondern auch um die Heilkunst kümmert. Friedrich
wird als Staatsmann und zugleich als innerlich autoritär geprägter Herrscher
gezeigt, dessen Widersprüche und Machtspiele die Familie tief treffen. Die
historischen Details vermitteln ein lebendiges Bild der Epoche, ohne den Fokus
zu verlieren: Es geht um innere Kämpfe, um Würde und um die Frage, wie viel
Freiheit eine Frau sich in einer Zeit nehmen durfte, die ihr solche Freiräume
oft verweigerte.
Besonders gelungen ist die Balance zwischen historischer
Genauigkeit und emotionaler Resonanz: Der Text bleibt faktenorientiert und
kenntnisreich, ohne den Leser mit Fachwissen zu überfordern. Die emotionale
Dichte und die menschliche Nähe zu Sibylla ermöglichen es, sich in ihre Lage
hineinzuversetzen, ohne dass die Lektüre zu einem reinen Historienbericht wird.
Der Schluss vermittelt eine ruhige, fast schon würdevoll-friedliche Einsicht:
Erst im Witwensitz findet Sibylla einen Moment der Ruhe, der ihr innere
Klarheit schenkt und den Zyklus von Verlust und Stärke bekräftigt.
Der Roman wird durch ein hilfreiches Zusatzmaterial rund:
Personenverzeichnis, chronologische Zeitleiste und Nachwort unterstützen das
Verständnis, regen aber gleichzeitig zu weiteren Recherchen an – was die
Lektüre zu einem bleibenden Erlebnis macht. Insgesamt ist der Roman eine
respektvolle, berührende Auseinandersetzung mit dem Leben einer Frau, deren Mut
und Gaben in einer streng geordneten Welt oft übersehen wurden.
4****Sterne

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